Die Studienjahre sind oft die Zeit der ersten Kontakte mit der Arbeitswelt: Studentenjob, Praktikum, duales Studium oder Ausbildung. Für muslimische Studierende ist es auch der Moment, in dem Fragen der Erlaubtheit, der Gebetszeiten, des Ramadans während der Prüfungen oder der Wahl des Ausbildungsbetriebs ganz konkret werden.
Dieser Leitfaden hilft, Entscheidungen im Einklang mit den eigenen Werten zu treffen und zugleich einen soliden Werdegang aufzubauen: Vertragsarten, Branchen, Auswahl der Unternehmen, Beziehungen zur Hochschule und die Situation ausländischer Studierender.
Die verschiedenen Formen der Erfahrung
Der Studentenjob
Er finanziert das Studium und bringt erste Erfahrung. Am häufigsten sind Nachhilfe, Kinderbetreuung, Verkauf, Logistik, Empfang, Lieferdienst und Freizeitbetreuung. Manche Jobs sollte man aus religiöser Sicht prüfen, etwa den Service in der Gastronomie, wenn Alkohol dort eine zentrale Rolle spielt.
Das Praktikum
Ist es Teil des Studiums, wird in Frankreich eine Vereinbarung zwischen Studierendem, Hochschule und aufnehmender Einrichtung geschlossen. Ab einer bestimmten Dauer besteht dort Anspruch auf eine Mindestvergütung. In Deutschland gilt für freiwillige Praktika ab einer bestimmten Dauer grundsätzlich der Mindestlohn, für Pflichtpraktika im Studium dagegen nicht.
Duale Ausbildung und duales Studium
In Frankreich erlauben der Ausbildungsvertrag (contrat d'apprentissage) und der Professionalisierungsvertrag, Phasen im Betrieb und in der Ausbildungsstätte abzuwechseln; im deutschsprachigen Raum entsprechen dem die duale Berufsausbildung und das duale Studium. Wer so lernt, ist vollwertiger Arbeitnehmer: Er wird bezahlt, seine Ausbildung wird finanziert, und er sammelt Erfahrung, die Personalverantwortliche sehr schätzen. Die Wahl des Betriebs ist daher entscheidend, denn man bindet sich für ein oder mehrere Jahre.
Einen passenden Ausbildungsbetrieb wählen
Vor der Unterschrift lohnt es sich zu prüfen:
- die Haupttätigkeit des Unternehmens und der aufnehmenden Abteilung;
- die konkreten Aufgaben, die Auszubildenden oder Praktikanten übertragen werden;
- die Teamkultur: häufige Umtrunke, Veranstaltungen mit Alkohol, flexible Arbeitszeiten;
- ob es eine Betriebsordnung mit Neutralitätsklausel gibt.
Ein Finanzstudent kann zum Beispiel eine Bank mit Beteiligungsprodukten oder eine Beratungsgesellschaft ansteuern statt einer Abteilung für Konsumentenkredite. Die Seite zur konventionellen Bank und dem Riba stellt die gängigen Positionen der Gelehrten zu diesem Sektor vor.
Studiengänge mit Blick auf die Halal-Wirtschaft
Manche Wege führen direkt zu Berufen der islamischen Wirtschaft: spezialisierte Abschlüsse in islamischer Finanzwirtschaft an einigen Universitäten und Hochschulen, Ausbildungen in Lebensmittelqualität und -sicherheit, Arabistik und Islamwissenschaft, internationaler Handel. Diese Studiengänge bereiten auf Berufe wie Compliance-Analyst, Qualitätsauditor oder Geschäftsentwickler für die Golfstaaten und Südostasien vor. Die Seiten zur Ausbildung für Halal-Berufe und zum islamischen Finanzwesen als Berufsperspektive beschreiben diese Wege.
Gebet, Ramadan und Prüfungen
An der Universität wird die Religionsfreiheit der Studierenden grundsätzlich anerkannt, solange der ordnungsgemäße Betrieb der Hochschule gewahrt bleibt: keine Störung der Lehrveranstaltungen, Beachtung der Hygiene- und Sicherheitsregeln im Labor, regelmäßige Teilnahme. Prüfungstermine werden aus religiösen Gründen nicht verschoben. Im Ramadan empfiehlt es sich daher, das Lernen vorzuplanen und den Schlafrhythmus anzupassen.
Im Betrieb unterliegen Auszubildende wie alle Beschäftigten dem Arbeitsrecht; mögliche Anpassungen beschreibt der Leitfaden zum Fasten während der Arbeitszeit.
Ausländische Studierende
In Frankreich dürfen ausländische Studierende mit studentischem Aufenthaltstitel grundsätzlich nebenbei arbeiten, innerhalb einer jährlichen Stundenobergrenze. Ausbildung und Praktika folgen je nach Staatsangehörigkeit und Aufenthaltstitel eigenen Regeln. Auch in Deutschland ist die Erwerbstätigkeit von Studierenden aus Nicht-EU-Staaten auf eine jährliche Anzahl von Arbeitstagen begrenzt. Diese Regeln ändern sich regelmäßig: Die genaue Situation sollte man bei der Ausländerbehörde und beim International Office der Hochschule klären. Auf europäischer Ebene informiert das EURES-Netzwerk über berufliche Mobilität zwischen den EU-Ländern.
Schon im Studium ein Netzwerk aufbauen
Studentische Vereine, Konferenzen zu ethischer Finanzwirtschaft, Ausbildungsmessen, Mentoring durch Alumni: Das im Studium aufgebaute Netzwerk ist für den ersten Job oft entscheidend. Muslimische Studierendenvereine organisieren manchmal Treffen mit Berufstätigen, die sich gut eignen, um über konkrete Werdegänge zu sprechen.
Das Studium ohne Zinsen finanzieren
Auch die Studienfinanzierung wirft religiöse Fragen auf. Der klassische Bankkredit für Studierende ist verzinst, was die Mehrheit der Gelehrten für problematisch hält. Es gibt andere Lösungen: Stipendien nach sozialen Kriterien oder Leistung, Zuschüsse von Kommunen und Regionen, die duale Ausbildung, die die Ausbildung finanziert und ein Gehalt zahlt, Studentenjobs, Unterstützung der Familie und zinslose Ehrendarlehen mancher Vereinsnetzwerke. In Deutschland wird BAföG für Studierende zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Staatsdarlehen gewährt. Wer einen Kredit erwägt, sollte zuerst diese Wege prüfen und bei Bedarf einen qualifizierten Gelehrten zu seiner Situation befragen.
Die duale Ausbildung hat hier einen besonderen Vorteil: Sie entlastet die Lernenden in der Regel von Studiengebühren und sichert ein regelmäßiges Einkommen, was den Bedarf an Krediten stark verringert.
Checkliste
- früh festlegen, welche Branchen und Tätigkeiten man meiden möchte;
- die tatsächlichen Aufgaben vor Unterzeichnung eines Ausbildungsvertrags prüfen;
- Studiengänge mit Bezug zur Halal-Wirtschaft ausfindig machen;
- den Ramadan in Prüfungsphasen vorausplanen;
- als ausländischer Studierender die eigenen Arbeitsrechte prüfen;
- das Netzwerk ab dem ersten Jahr pflegen.
Die zwei Referenzlisten
Quellen und Ressourcen
- EURES — Europäisches Portal zur beruflichen Mobilität: Stellenangebote und Tipps für die Arbeit in einem anderen Land.
- UNESCO — Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Referenz zu Bildungssystemen.
- OECD: Kompetenzen — Arbeiten der OECD zu Kompetenzen, Weiterbildung und beruflicher Eingliederung.
- Internationale Arbeitsorganisation — Internationale Arbeitsnormen, darunter zur Bekämpfung von Diskriminierung im Beruf.

